Die Abiturienten der Wirtschaftskurse besuchten das Seniorenzentrum St. Franziskus

im Rahmen des betriebswirtschaftlichen Unterrichts

Am 12. Mai 2014 besuchten die Abiturienten der Wirtschaftkurse im Rahmen des betriebswirtschaftlichen Unterrichts das Seniorenzentrum St. Franziskus in Bad Säckingen. Die soziale Einrichtung ist mit dem Scheffel-Gymnasium bereits 2010 eine Bildungspartnerschaft eingegangen.

„Der Mensch steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Wir sehen unseren Auftrag darin, den uns anvertrauten Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen und sie beim Abschiednehmen und Sterben zu begleiten...“
Diesem Anspruch möchte das Seniorenheim St. Franziskus gerecht werden und bezieht sich dabei auf seinen Namenspatron den Heiligen Franziskus von Assisi. Wie setzt man dieses Konzept nun in die Tat um, d.h. wie sieht die ökonomische Seite dieser gemeinnützigen Einrichtung aus?
Darüber wollten die Wirtschaftskurse des Scheffel-Gymnasiums beim Besuch des Bad Säckinger Seniorenheims mehr wissen.
Nach der Begrüßung durch die Hausleitung Frau Matt bekamen die Schüler und Schülerinnen bei einem Rundgang durch das vor drei Jahren erbaute Haus einen ersten Eindruck von der Pflegeeinrichtung. Von der Großzügigkeit und der Helligkeit des modernen Hauses waren die Besucher angenehm überrascht. Überall öffnet sich der Blick ins Grüne, in die weitläufigen Parkanlagen. Große schattige Terrassen und Balkone erlauben es, die Pflegebedürftigen in ihrem Bett ins Freie zu schieben. An diesem kühlen Mainachmittag zogen es die Bewohner allerdings vor, im Gemeinschaftsraum zu sitzen oder er sich abseits der lichtdurchfluteten Flure in den kleinen Nischen gemütlich zu machen. Frau Carletta, Leiterin der Hauswirtschaft, erklärte uns, dass etwa 29 Bewohner auf einem Stockwerk leben, für die eine examinierte Altenpflegerin und zwei Pflegekräfte im Spätdienst zuständig sind. Die Senioren leben überwiegend in Einzelzimmern, insgesamt gibt es im Haus 7 Doppelzimmer sowie 6 Appartements mit Verbindungstüre, die gerne von Ehepaaren angenommen werden. Die Zimmer können mit eigenen Möbeln eingerichtet werden. In dem Haus leben 100 pflegebedürftige Personen in den Pflegestufen 1-3 , auf 3 Wohnbereichen mit jeweils 29 Pflegeplätzen, sowie einem kleinen beschützten Wohnbereich mit 13 Pflegeplätzen für an Demenz erkrankte Senioren.
In der folgenden Fragerunde erfuhren die Schüler, dass das Seniorenzentrum St. Franziskus seit 2008 eine gemeinnützige GmbH unter der Trägerschaft des St. Josefshaus in Rheinfelden/Herten und der kath. Kirchengemeinde Bad Säckingen ist. Das Josephshaus ist Mehrheitsgesellschafter (90%), die katholische Kirchengemeinde Bad Säckingen(10%) wird in alle Entscheidungen mit einbezogen. Die Übernahme durch den Investor war ein Glück für die Pflegeeinrichtung, mit seiner Hilfe konnte man den Neubau realisieren sowie eine komplette Modernisierung durchführen, was letztlich wieder zu einer sehr guten Nachfrage führte. Heute existiert eine Warteliste, da die Nachfrage das Angebot übersteigt. Natürlich sind wirtschaftliche Erwägungen zentral, denn das Haus muss sich selbst tragen. Es darf als gemeinnützige Einrichtung keine Gewinne erwirtschaften, muss aber Rücklagen bilden, um die laufenden Investitionen zu tätigen. Diese Rücklagen werden aus den Investitionskosten gebildet und sind ein Teil des Tagespflegesatzes, den die Bewohner tragen.
Die Lohnkosten machen ca. 60% der Gesamtkosten aus. Gerne würde man mehr Personal einstellen, dies ist jedoch nicht möglich, da es einen vereinbarten Personalschlüssel gibt, mehr Personal kann eingestellt werden, wird aber durch die Einnahmen nicht refinanziert. Die Pflegesätze werden jährlich mit den Leistungsträgern wie mit den privaten und gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, mit dem Sozialhilfeträger sowie mit dem kommunalen Verband für Jugend und Soziales ausgehandelt.
Erstaunlich fanden es die Schüler, dass es seit 2009 keinerlei Zuschüsse etwa vom Landkreis oder vom Bund für den Bau oder Modernisierung von Pflegeheimen mehr gibt. Das Seniorenzentrum St. Franziskus hätte ohne diesen gerade noch rechtzeitig beantragten Zuschuss den Neubau sowie die Sanierung nicht durchführen können.
Synergieeffekte brachte die Zusammenlegung mit dem St. Josefshaus beispielsweise bei der Ausbildung, bei sämtlichen Personalangelegenheiten, EDV, gemeinsamen Wartungsverträgen, bei der Verpflegung mit Mittagessen und bei der Unterstützung der Haustechnik.
Die Heimleitung muss immer wieder den Spagat zwischen menschlichen Erwägungen und ökonomischen oder rechtlichen Vorgaben bewältigen. So müssten bei dringenden Anfragen um Aufnahme zuerst alle Alteneinrichtungen in der Umgebung kontaktiert werden, da der 101. Patient über der Belegzahl liegen würde. Diese bürokratischen Vorschriften machen dem Personal zu schaffen. Die tägliche Dokumentation des Pflegeablaufs bei jedem Heimbewohner beansprucht ein Drittel der Pflegezeit, die die Betreuenden lieber mit den Bewohnern verbringen würden. Dass alle Gespräche mit verantwortlichen Politikern anscheinend im Sande verlaufen, frustriert das Personal.
Trotzdem ist Frau Matt von ihrem Beruf begeistert, denn sie erfüllt es, anderen Menschen helfen zu können und mit so vielen verschiedenen Schützlingen, aber auch Einrichtungen außerhalb ihres Hauses zu tun zu haben. Für die Abiturienten war dies eine andere Form der „Betriebserkundung“, bei der bei aller Sympathie für die Bad Säckinger Pflegeeinrichtung viele kritische Fragen zur Pflege- und Gesundheitspolitik in unserem Land offen blieben.

St. Franziskus